Das schreibende Paar Gerold/Hänel haben wir ja schon einmal heiß empfohlen, damals ging es um einen Krimi, der in einem fiktiven Alpendort während der Rauhnächte spielt.
Inzwischen sind sie mit ihren Krimis im Jahreslauf schon bei Mittsommer angelangt, oder bei der Sonnenwende, wie man in den Alpen offenbar lieber sagt. Und es klingt ja auch viel schicksalhafter.
Immer findet in Wildbrunn das ein Festival statt, das Alt- und Neu-Hippies aus ganz Europa anzieht. Die Einheimischen beäugen die Fremden voller Argwohn, lassen sie aber eigentlich gewähren. Eigentlich, denn vor zwei Jahren ist eine junge Besucherin aus Versehen in einem Sonnwendfeuer gelandet. Selbstmord, wurde beschlossen. Nun aber kommt eine Warnung: „Es wird wieder jemand brennen“.
Kommissarin Hannah Meyer wird hingeschickt, um das zu verhindern. Und während alle noch hoffen, dass die Warnung ein übler Scherz gewesen sein könnte, kommen Hannah und ihre Kollegin Toni Martin Zweifel an der Sache mit dem Selbstmord. Sie stellen fest, dass das halbe Dorf Dreck am Stecken hat, der vermeintlich idealistische Festivalchef ebenfalls, und überhaupt sind im Dorf auffällig viele Menschen in einem Sonnwendfeuer ums Leben gekommen, noch dazu stammten sie fast alle aus einer Familie.
Ein Kind aus dieser Familie ist vor Jahren spurlos verschwunden, doch nun gehen Gerüchte um, dieses Mädchen sei als Erwachsene nun wieder aufgetaucht. Aber noch hat niemand sie gesehen.
Uns kommt beim Lesen natürlich sehr schnell ein Verdachte, wer die Verschwundene wohl sein kann, aber ehe wir erfahren, ob wir da richtig liegen, passiert in diesem ungeheuer spannenden mit viel Lokalkolorit und alpinem Brauchtum noch so einiges, und unterwegs mag man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so aufregend ist das alles.
Gerold/Hänel: Sonnenwende, Fischer Verlag, 362 S., 13,– www.haenel-buecher.weebly/com (GH)

