Die Zwillingsbrüder Hein und Oss haben mit ihrem Singen Generationen begeistert. Unter den deutschen Liedermachern nehmen die „Volkssänger“ immer noch einen Spitzenplatz ein.

Wie es dazu kam beschreibt Oskar Kröher. Es ist nicht das erste autobiographische Buch, das er vorgelegt; aber es ist dasjenige, das sich mit seiner Laufbahn als „Volkssänger“ befasst.

Angefangen hat alles mit der jungenschaftlichen „Singerei“ im Freundeskreis, doch zeigten sich bald darüber hinaus wesende Ambitionen. Diese kamen erstmals deutlicher zum Vorschein mit der Begründung des „Chanson Folklore International“ auf der Wandervogelburg Waldeck im Hunsrück.
An diesem ersten Festival 1964 nahmen bereits einige später berühmt gewordene Sänger teil. Für einige, darunter Hein und Oss, folgte darauf ein Auftritt beim Sender Freies Berlin. Mitwirkung bei weiteren Rundfunk- und Fernsehsendungen und erste Schallplattenaufnahmen schlossen sich an. Die Brüder wurden bekannt und wurden zu allen möglichen Veranstaltungen engagiert.
Für Oss, der inzwischen in seinem Traumberuf als Lehrer arbeiten konnte, erschien nach den frustierenden Jahren als Handelsvertreter das Leben gewonnen. Leider zogen auch dunkle Wolken auf. Seine Frau Trudel wurde von einer unheilbaren Krankheit befallen, die jahrlanges Siechtum mit sich brachte.

Doch mit den „Volkssängern“ ging es aufwärts. Es ist unmöglich, alle Konzertreisen aufzuzählen, die teilweise im Auftrage des Goethe-Instituts oder des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes erfolgt. Sie führten unter anderem in die USA, nach Georgien, Frankreich, Schweden und in die Niederlande. Hinzu kam die Mitwirkung bei unterschiedlichen Filmprojekten, hauptsächlich durch die Freundschaft mit dem Filemacher martin Schließler.
Hein und Oss machten sich auch als Liedforscher einen Namen. Sie entdeckten vergessene und verschwiegene Volkslieder und brachten mehrere Liederbücher heraus. Viele Liedertexte sind auch im vorliegenden Buch an passender Stelle eingestreut. Daneben unternahmen die Brüder im Stil der bündischen Jugend immer auch abenteuerliche Fahrten in Europa und Übersee.
Das Buch ist auch ein zeugnis der Freundschaften, die Oss über viele Jahrzehnte bis heute pflegt. Viele Namen wären hier zu nennen wie Franz Josef Degenhardt, katja Ebstein oder Hannes Wader, den Oss auf der Waldeck entdeckt hat. Besonders freundschaftlich beschreibt Oss den jung verstorbenen Peter Rohland (pitter), von dem er vielerlei Hinweise auf vergessene Lider erhalten hat. Oss hat ihm in seinem Buch ein Denkmal gesetzt. Nicht vergessen sei auch die Verbindung zu Germain Muller und Roger Siffer in Straßburg.

Das Buch erzählt viel vom Fernweh, dem die deutsche Jugendbewegung immer verfallen war, aber es erzählt auch von einer tief gehenden Heimatliebe und der Dankbarkeit, in der Geburtsstadt Pirmasens mit seiner Frau Gretel leben zu dürfen. Aus der Lieb zur pfälzischen Heimat entstand auch manches Engagement, so etwa die Tätigkeit im Pirmasenser Stadtrat oder der Einsatz für den Naturschutz.

Bleibt noch die schöne Gestaltung und Ausstattung des Buches zu erwähnen, angefangen vom Außentitel mit den Schwänen, gewissermaßen als Symbolvögel der Jugendbewegung. Nicht zu übersehen ist das schöne Druckbild. Jedes Kapitel fängt durch eine Initiale geziert auf einer rechten Seiten an; erfreulich auch der Bildteil aus dem Fundus von Oskar Kröher und schließlich die hervorragende buchbinderische Verarbeitung. Vor allem aber lebt das Buch fon der frischen und lebendigen Erzählweise des Autors.                                                                                   Heinz Schmitt