Sonja Eismann: Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie, Edition Nautilus, 197 S., 20,– www.edition-nautilus.de (Kritisches Buch)(GH)
„Sexismus in der Musikindustrie“ ist der Untertitel dieses Buches, das wir der Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann verdanken.
Musikindustrie, geht uns das in der Folkszene was an, ist da ein naheliegender Gedanke.
Doch auch wenn in der Folkszene alles kleiner und überschaubarer ist als beispielsweise in der Umgebung von Rammstein (die natürlich ausgiebig untersucht wird), ist Sexismus ja nichts Fremdes – Übergewicht von Männern in allen Bereichen,
sexistische Lieder, die als witzig ausgegeben werden, bestimmte hochangesehene Liedermacher (lange vor Konstantin Wecker) und Musiker, die als Grabscher bekannt sind und vor denen sich die Festivalbesucherinnen gegenseitig warnen, das alles kennen wir leider zur Genüge.
Und die Autorin zieht auch immer wieder Beispiele aus der Folk- und Liedermacherszene heran, gleich anfangs geht es um die Chansonszene, oft kommt die Liedermacherin Christiane Rösinger zu Wort, und wir begegnen Johnny Cash, Harry Belafonte und dem Kingston Trio.
Genau, das Kingston Trio, diese freundlichen, immer adrett gekleideten Burschen, die mit „Tom Dooley“ einen unsterblichen Hit gelandet haben. Tom Dooley soll uns leidtun, weil er aufgehängt wird, heißt es da. Dass er Laurie Foster erstochen hat, spielt keine so große Rolle, sie braucht uns offenbar nicht leidzutun …
Dass das Kingston Trio sich eine Version des Liedes ausgesucht hat, bei der wir nicht erfahren, was ihn zu dieser Tat getrieben hat, wird im Buch nicht problematisiert, was schade ist, vergebene Pointe sozusagen – Laurie Foster wollte nicht mit ihm durchbrennen (eine wunderbare Version gibt es von Sweeney’s Men), was soll der enttäuschte Mann da machen?
Solche Beispiele gibt es aus vielen Musiksparten, dazu kommt die männliche Ausrichtung der Szene – Produzenten, Agenten, Musiker, Journalisten, Rundfunkleute (die, wir hier belegt wird, durchaus untersagen, zwei Stücke von Sängerinnen hintereinander zu spielen, so viel Weiblichkeit darf man dem Publikum nicht zumuten).
Keine aufmunternde Lektüre, aber wichtig, und zwischendurch gibt es trotz allem mal ein Lichtfünkchen und die Versicherung, dass es nicht immer so bleiben muss.
++^-****Sonja Eismann: Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie, Edition Nautilus, 197 S., 20,– www.edition-nautilus.de (GH)