Cornelia Franz: Dreizehn Tage im Herbst, ars remata, (Regionalkrimi) (GH)

Ist das hier überhaupt ein Krimi? Das ist vielleicht eine Definitionsfrage. Ein Kind verschwindet, die Polizei wird eingeschaltet, die verzweifelten Eltern suchen, die Theorien, was dem verschwundenen Jungen widerfahren sein könnte, wirbeln durcheinander – und spannend ist das alles, 1000mal spannender als so manches Buch,

wo dick „Kriminalroman“ auf dem Cover steht. Eine Familie aus Hamburg, Mutter, Vater, Kind, macht Ferien im Tessin, nur möchte der elfjährige Martin nicht unbedingt dasselbe wie die Eltern. Nicht, dass er unbedingt die ganze Zeit vor dem Bildschirm hocken will, ein Buch oder ein interessantes Vogelnest, das er beobachten könnte, tun es auch. Die Eltern aber wollen sich die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten ansehen. Und auf einer Autofahrt quengelt Martin herum, er will nicht dabei sein, er langweilt sich, alles ist doof. Den Eltern reißt der Geduldsfanden: „Wenn du nicht sofort still bist, kannst du zu Fuß weitergehen.“ – „Mir doch scheißegal“, so ungefähr verläuft das Gespräch. Der Vater, der (natürlich?) am Steuer sitzt, hält an und sagt: „Bitte sehr, hier steigst du aus.“ Der Junge, total verdutzt, gehorcht. Die Eltern fahren ein Stück weiter und kehren dann um, um den hoffentlich zur Raison gebrachten Sprössling aufzusammeln. Doch weit und breit keine Spur von Martin, niemand hat ihn gesehen, und alle Spuren führen ins Leere. Zuerst trösten sich die Eltern: Martin ist doch ein Junge, einem Sexualverbrechen wird er also nicht zum Opfer gefallen sein. Doch die Polizei ruiniert diesen Trost ganz schnell. Und so geht es weiter, dreizehn Tage lang, in denen sich die Eltern gegenseitig zerfleischen und gleich danach in Reue versinken, in denen sich Familienmitglieder einmischen, die nur trösten wollen, aber mit sicherem Geschickt alles noch schlimmer machen. Am dreizehnten Tag dann die vollkommen überraschende Lösung des Rätsels. Dazu wunderbar viel Lokalkolorit, Landschaft, Seen, Essen und Trinken, ein wunderbares Buch eben. Cornelia Franz: Dreizehn Tage im Herbst, ars remata, 200 S., 14,90 http://www.corneliafranz.de/wordpress/   https://arsremata.ch/ (GH)